Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht
Prof. Dr. F. Ranieri

 

 

Vorlesung Internationales Privatrecht - Allgemeine Lehren

 

 

Frage 1

A. Anwendbares Recht (18 Punkte)

I.      Art. 3 I, II 1 EGBGB => CISG

II.      Anwendungsbereich nach Art. 1 I, 3 I u. 4 CISG (+)

III.      Anwendungsausschluss nach Art. 2 u. 6 CISG (-)

B. Ansprüche

 I.      Anspruch des B gegen M auf Zahlung des Kaufpreises i.H.v. 5.000 € aus Art. 53, 62 CISG  (20 Punkte)

  1. Zustandekommen des Vertrages
    Problem: Abweichung der Annahme vom Angebot (Kunststofffolie contra Papierfolie);
    nach Art. 19 II CISG unbeachtlich; Art. 19 I, III CISG (-)
    => Vertrag kommt bzgl. Kunststofffolie zustande.
    Beachte: Die Bezeichnung der Kunststofffolie als Vertragsverletzung wäre daher ein schwerer Fehler!

  2. Vertragsaufhebung
    Art. 49 I a) CISG (-), da Verfärbung zwar Vertragsverlet-zung, aber nicht wesentlich (vgl. Art. 25 CISG)
    => Vertragsaufhebung (-)

Ergebnis:
Anspruch des B auf Zahlung der 5.000 € (+)

II.      Anspruch des M gegen B auf Zahlung von Schadensersatz i.H.v. 2.000 € aus Art. 45 I b) i.V.m. Art. 74 CISG  (20 Punkte)

  1. Anspruch (+), da Nichterfüllung durch B (+), denn Ware nicht vertragsgemäß i.S.v. Art. 35 CISG; kausaler Schaden i.H.v. 2.000 €

  2. Art. 45 II CISG: parallele Geltendmachung der Aufhebung des Vertrages unbeachtlich

  3. Rügeobliegenheit des Art. 39 CISG durch M beachtet

  4. Ablauf der Nachfrist nach Art. 47 II CISG nicht erforderlich, da endgültige Erfüllungsverweigerung durch B

Ergebnis:
Anspruch des M auf Zahlung der 2.000 € (+)

Frage 2 (15 Punkte)

Höhe der Zinsen im CISG nicht geregelt (vgl. Art. 78 CISG)
=> Art. 7 II CISG => Art. 3 I EGBGB => Art. 28 I, II EGBGB: auf engste Verbindung (charakteristische Leistung) abzustellen; hier: deutsches Recht (Niederlassung des B) → § 291 i.V.m. § 288 BGB

Frage 3 (15 Punkte)

CISG: Art. 49 I a): Vertragsaufhebung setzt „wesentliche Vertragsverletzung“ voraus; hier: Vertragsverletzung nicht wesentlich, daher Vertragsaufhebung (-) (s. Frage 1 B.I.2.)

Deutsches Vertragsstatut: § 437 Nr. 2 i.V.m. § 323 I, V 2 BGB: Rücktritt setzt nicht voraus, dass die Vertragsverletzung „wesentlich“ ist; Rücktritt nur dann ausgeschlossen, wenn „Pflichtverletzung unerheblich“; hier Pflichtverletzung nicht unerheblich, daher Rücktritt (+)

 

 

 

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Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht  - Prof. Dr. F. Ranieri - Letzte Bearbeitung: 11.03.2010