Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht
Prof. Dr. F. Ranieri

28.10.1997

 

Übung im Bürgerlichen Recht für Anfänger
Wintersemester 1997/1998
 1.Klausur
 
Sachverhalt
 

Der am 03.05.1974 geborene Gymnasiast G will, da ihn seine Eltern zur Fahrschule angemeldet haben, sein Moped möglichst bald durch ein Motorrad ersetzen. Am 01.04.1992 bietet ihm B, ein weitläufiger Bekannter, eine gebrauchte Vierzylinder-Maschine zum Preis von 3.000,- DM an. G, der gerade 2.800,- DM aus angespartem Taschengeld zur Hand hat, will die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und schließt noch am 02.04. mit B einen schriftlichen Vertrag, in dem es u.a. heißt: "B verkauft an G das gebrauchte Motorrad, Marke ... für 3.000,- DM. G wird das Motorrad gegen Barzahlung erhalten. Zahlung hat bis spätestens 01.05. zu erfolgen."

Am 28.04. veräußert G, um den restlichen Kaufpreis aufzubringen, sein Moped für 250,- DM im Geschäft des Kraftfahrzeughändlers K. Er wird dort von dem zuständigen Verkäufer V bedient. Der geringe Preis kommt dadurch zustande, daß V dem G nach kurzer Inspektion bewußt wahrheitswidrig erklärt, der Motor sei aufgrund von Korrosion nahezu wertlos. V veräußert das Moped an den befreundeten C, dem er den Trick mit dem Motor anvertraut. Beide freuen sich über das lukrative Geschäft. C ist umso erfreuter, als er glaubt, G sei sein Nachbar, der seit seiner Altersrente sehr streitsüchtig geworden ist.

G geht am 01.05. zu B, händigt ihm 3.000,- DM aus und erhält daraufhin Motorrad und Kfz-Brief.

Am Abend des 01.05. erfahren die Eltern des G von den Geschäften. Sie mißbilligen die Eigenmächtigkeit ihres Sohnes, melden ihn bei der Fahrschule ab und schreiben noch am selben Tag an B, daß sie dem Geschäft ihre Zustimmung verweigern. Dem G erklären sie, er solle sich sein Moped von K zurückholen; die Veräußerung genehmigen sie nicht.
 

1. B möchte nach all dem Ärger sein Motorrad wiederbekommen. Hat er einen Anspruch gegen G?

2. Am 03.05. trifft G zufällig K und C gemeinsam auf dem Marktplatz. Er nimmt die Gelegenheit wahr, um sich über die Täuschung zu beschweren und verlangt die Herausgabe des Mopeds. Zu Recht?

Hinweis: Auf Zurückbehaltungsrechte soll nicht eingegangen werden.

Bearbeitungszeit: 3 Std.

Erlaubte Hilfsmittel: Schönfelder, Deutsche Gesetze; Beck-Texte, BGB.

 
 

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Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht  - Prof. Dr. F. Ranieri - Letzte Bearbeitung: 11.03.2010