Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht
Prof. Dr. F. Ranieri

 

Wintersemester 1997/1998

Besprechungsfall

Sachverhalt

Victor Müller (V), seine Frau Maria Müller (M) sowie Töchterchen Tina (T) befinden sich auf einer langen Fahrt in die Sommerferien. Gegen Abend machen sie Station in einer kleinen, etwas abseits gelegenen Waldpension. Für seine Frau und sich nimmt V ein Doppelzimmer mit Dusche und WC, die 12jährige T wird in einem kleineren, ebenso ausgestatteten Zimmer untergebracht. Seinen Golf mit tiefergelegtem Fahrwerk möchte V gerne in einer Garage abstellen, damit die zwei Surfbretter über Nacht auf dem Autodach bleiben können. Die kleine Pension verfügt aber nur über eine Scheune. Dort stellt V seinen Wagen auf den ihm von dem Eigentümer Willi Wald (W) zugewiesenen Platz und läßt sich 5,- DM extra in Rechnung stellen. W verschließt dafür auch höchstpersönlich die Scheunentür.
 
Während des Abendbrotes sieht Familie Müller plötzlich Rauch aus der Scheune dringen. Die sofort alarmierte Feuerwehr kann jedoch nur noch ein Übergreifen des Feuers auf die kleine Pension verhindern. Die Scheune brennt vollständig nieder, das Auto (Zeitwert 20.000,- DM) wird zerstört, die zwei Surfbretter (Wert je 1.000,- DM) verkohlen. Eines davon hatte sich V bei seinem Freund (F) ausgeborgt.
 
Die später eingeschalteten Sachverständigen entdecken die Ursache des Brandes: Von der heißen, katalysatorbestückten Auspuffanlage des Wagens strahlte noch soviel Hitze ab, daß sich das auf dem Scheunenboden von der letzten Ernte reichlich verbliebene Stroh entzündet hatte.
 
Familie Müller bleibt noch eine weitere Nacht in der Pension des W. Als am nächsten Morgen T aus der Duschkabine heraustritt, gleitet sie auf dem gefliesten Badezimmerboden aus und bricht sich den Fuß, der im nächsten Krankenhaus operiert werden muß.
 
Die Badezimmerfliesen sind in dafür bekannt, in trockenem Zustand besonders rutschfest zu sein. In feuchtem Zustand oder beim Betreten mit feuchten Füßen kann eine absolute Rutschfestigkeit nicht garantiert werden. Ein Duschvorleger fehlte zwar, doch gab es im Badezimmer ein Badetuch und drei Handtücher.
 
V möchte W wegen des Golfs und der Surfbretter in Anspruch nehmen, W den V wegen der zerstörten Scheune (Wert 20.000,- DM). T verlangt 3.000,- DM Krankenhauskosten und 1.000,- DM Schmerzensgeld.
 
Hat F einen vertraglichen Anspruch gegen W?
 
Bearbeitervermerk
Ansprüche aus § 46 Reichsgaragenordnung sind nicht zu prüfen.

 

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Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht  - Prof. Dr. F. Ranieri - Letzte Bearbeitung: 11.03.2010