Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht
Prof. Dr. F. Ranieri

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Rechts- und Verfassungsgeschichte II

 

 

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Folien und Schaubilder

bulletWurzeln und Entwicklung des Privatrechts
bulletDie Historische Rechtsschule

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Gliederung

bulletDas Römische Recht in der europäischen Rechtstradition
zu lesen: H. Dilcher, Zur Einführung: Romanistische Mediävistik, JuS 1966, Heft 10, S.387 ff.; M. Kaser, Der  römische Anteil am deutschen bürgerlichen Recht, JuS 1967, Heft 8, S.337 ff.; R. Zimmermann, Das römisch-kanonische ius commune als Grundlage europäischer Rechtseinheit, JZ 1992, S.8 ff.; H. Kötz, Was erwartet die Rechtsvergleichung von der Rechtsgeschichte?, JZ 1992, S.20 ff.
 
bulletDie Rezeption des römischen Rechts in Deutschland
zu lesen: M. Lipp, Recht und Rechtswissenschaft im frühneuzeitlichen Kursachsen, JuS 1995, Heft 8, S.387 ff.; H. Kiefner/M. Stolleis, Rezeption (privatrechtlich/öffentlichrechtlich), in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd.IV, Berlin 1990, S.970-995; H. Schlosser, Grundzüge der Neueren Privatrechtsgeschichte, 7.Aufl.1993, S.3-4; S.50-52; A. Laufs, Rechtsentwicklungen in Deutschland, 4.Aufl., Berlin 1991, S.42-72
 
bulletAuszüge aus den allgemeinen Lehren des römischen Schuldrechts
 
bulletA. Obligationenrecht und Lehre des Vertrages
zu lesen: Stellen aus den „Institutionen“, welche in der Vorlesung zitiert und kommentiert werden aus: Behrends/  Knütel/Küpisch/Seiler, Corpus iuris civilis. Die Institutionen, 2.Aufl. (UTB 1764), Heidelberg 1999, insb. Inst.3.13-14,  S.171 ff. und Inst. 3.22-23, S.188 ff.; F. Ranieri, Europäisches Obligationenrecht. Lehr- und Textbuch, Wien-New-  York 1999, insb. Kap.1, S.2-9
 
bulletB. Die deliktische Haftung der lex Aquilia
zu lesen: O. Behrends, Römischrechtliche Exegese: Das deliktische Haftungssystem der lex Aquilia, JuS 1985, Heft 11, S.878 ff.; RG, Urt.v.3.12.1888, RGZ 22, S.208-211; F. Ranieri, Europäisches Obligationenrecht, insb.Kap.6, S.140-146. Aus den Institutionen (s.o.) Inst.4.3., insb. S.218 ff.
 
bulletC. Die Geschäftsführung ohne Auftrag
zu lesen: K. Muscheler, Römischrechtliche Exegese: Geschäftsführung ohne Auftrag. Afr. D.3.5.48, JuS 1988, Heft 8, S.627 ff.; F. Ranieri, Europäisches Obligationenrecht, insb. Kap.8, S.204-206. Aus den Institutionen (s.o.) insb. Inst.3.27, S.201-202
 
bullet D. Die „bona fides“ und die „exceptio doli“ im Römischen Recht
zu lesen: F. Ranieri, Europäisches Obligationenrecht, insb. Kap.9, S.225-230

 


Anlagen

Römische Rechtsquellen jeweils im Original mit deutscher Übersetzung

Anlage 1
Anlage 2
Anlage 3
Anlage 4
Anlage 5
Anlage 6
Anlage 7

 



Anlage Nr. 1

Inst. 3.13 u. 3.14

Dreizehnter Titel
Über die Schuldverhältnisse

Nunc transeamus ad obligationes. obligatio est iuris vinculum, quo necessitate ad-stringimur alicuius solvendae rei secundum nostrae civitatis iura.
1. Omnium autem obligationum summa divisio in duo genera diducitur: namque aut civiles sunt aut praetoriae. civiles sunt, quae aut legibus constitutae aut certe iure civili comprobatae sunt. praetoriae sunt, quas praetor ex sua iurisdictione constituit, quae etiam honorariae vocantur.
2. Sequens divisio in quattuor species diducitur: aut enim ex contractu sunt aut quasi ex contractu aut ex maleficio aut quasi ex maleficio. prius est, ut de his quae ex contractu sunt dispiciamus. harum aeque quattuor species sunt: aut enim re contrahuntur aut verbis aut litteris aut consensu. de quibus singulis dispiciamus.
 

Jetzt wollen wir zu den Schuldverhältnissen übergehen. Das Schuldverhältnis ist ein rechtliches Band, durch das uns nach dem Recht unseres Gemeinwesens der Zwang auferlegt wird, ir-gendeinen Gegenstand zu leisten.
1. Die oberste Einteilung aller Schuldverhält-nisse ergibt zwei Arten. Sie sind nämlich entweder zivilrechtlich oder prätorisch. Zivilrechtlich sind diejenigen, die entweder von Gesetzen eingeführt oder jedenfalls vorn Zivilrecht anerkannt worden sind. Prätorisch sind diejenigen, die der Prätor aufgrund seiner Gerichtsbarkeit eingeführt hat; sie werden auch amtsrechtliche Schuldverhältnisse genannt.
2. Die weitere Einteilung ergibt vier Arten. Denn entweder beruhen die Schuldverhältnisse auf Vertrag oder Quasivertrag oder auf Delikt oder Quasidelikt. Als erstes wollen wir diejenigen, die auf Vertrag beruhen, untersuchen. Von diesen gibt es ebenfalls vier Arten. Sie werden nämlich entweder durch Sachhingabe begründet oder durch Worte oder durch Schrift oder durch Konsens. Wir wollen sie einzeln untersuchen.
 
 

Vierzehnter Titel
Wie Schuldverhältnisse durch Sachhingabe zustandekommen

Re contrahitur obligatio veluti mutui datione. mutui autem obligatio in his rebus consistit, quae pondere numero mensurave constant, veluti vino oleo frumento pecunia numerata aere argento auro. quas res aut numerando aut metiendo aut pendendo in hoc damus, ut accipientium fiant et quandoque nobis non eaedem res, sed aliae eiusdem naturae et qualitatis reddantur. unde etiam mutuum appellatum sit, quia ita a me tibi datur, ut ex meo tuum fiat. ex eo contractu nascitur actio quae vocatur condictio.
1. Is quoque, qui non debitum accepit ab eo qui per errorem solvit, re obligatur: daturque agenti contra eum propter repetitionem condicticia actio. nam proinde ei condici potest si paret eum dare oportere ac si mutuum accepisset: unde pupillus, si ei sine tutoris auctoritate non debitum per errorem datum est, non tenetur indebiti condictione non magis quam mutui datione. sed haec species obligationis non videtur ex contractu consistere, cum is qui solvendi animo dat magis distrahere voluit negotium quam contrahere.
2. Item is cui res aliqua utenda datur, id est commodatur, re obligatur et tenetur commodati actione. sed is ab eo qui mutuum accepit longe distat: namque non ita res datur, ut eius fiat, et ob id de ea re ipsa restituenda tenetur. et is quidem qui mutuum accepit, si quolibet fortuito casu quod accepit amiserit, veluti incendio ruina naufragio aut latronum hostiumve incursu, nihilo
minus obligatus permanet. at is qui utendum accepit sane quidem exactam diligentiam custodiendae rei praestare iubetur nec sufficit ei tantam diligentiam adhibuisse, quantam suis rebus adhibere solitus est, si modo alius diligentior poterit eam rem custodire: sed propter maiorem vim maioresve casus non tenetur, si modo non huius culpa is casus intervenerit: alioquin si id quod tibi commodatum est peregre ferre tecum malueris et vel incursu hostium praedonumve vel naufragio amiseris, dubium non est, quin de restituenda ea re tenearis. commodata autern res tunc proprie intellegitur, si nulla mercede accepta vel constituta res tibi utenda data est. alioquin mercede interveniente locatus tibi usus rei videtur: gratuitum enim debet esse commodatum.
3. Praeterea et is, apud quem res aliqua deponitur, re obligatur et actione depositi, qui et ipse de ea re quam accepit restituenda tenetur. sed is ex eo solo tenetur, si quid dolo commiserit, culpae autem nomine, id est desidiae atque neglegentiae, non tenetur: itaque securus est qui parum diligenter custoditam rem furto amisit, quia, qui neglegenti amico rem custodiendam tradit, suae facilitati id imputare debet.
 

Durch Sachhingabe wird ein Schuldverhältnis zum Beispiel bei der Darlehenshingabe begründet. Eine Darlehensschuld entsteht bei solchen Sachen, die nach Zahl, Maß oder Gewicht bestimmt werden, zum Beispiel bei Wein, Öl, Getreide, Bargeld, Kupfer, Silber und Gold. Diese Sachen geben wir durch Zählen oder Messen oder Wiegen zu dem Zweck hin, dass sie Eigentum des Empfängers werden und dass uns irgendwann nicht dieselben Sachen, sondern andere Sachen gleicher Art und Güte zurückgegeben werden. Daher heißt das Darlehen auch ‘mutuum’ , weil ich dir so gebe, dass aus Mein [meum] Dein [tuum] wird. Aus diesem Vertrag entsteht eine Klage, die Kondiktion genannt wird.
1. Auch wer von einem, der irrtümlich leistet, eine Nichtschuld empfängt, wird durch Sachhingabe verpflichtet; und man gibt demjenigen, der gegen ihn auf Rückgewähr klagt, eine Kondiktionsklage. Denn von ihm kann ebenso mit der Formel ‘Wenn sich erweist, dass er verpflichtet ist zu geben’ kondiziert werden, wie wenn er ein Darlehen empfangen hätte. Daher haftet ein Mündel, wenn ihm ohne Zustimmung des Vormunds irrtümlich etwas Nichtgeschuldetes geleistet worden ist, nicht mit der Kondiktion des Nichtgeschuldeten, genauso wenig wie nach einer Darlehenshingabe. Doch beruht diese Art Schuldverhältnis ersichtlich nicht auf Vertrag, da derjenige, der mit Erfüllungsabsicht gibt, ein Rechtsgeschäft eher auflösen als zustandebringen will.
2. Ebenso wird derjenige durch Sachhingabe verpflichtet, dem irgendeine Sache zum Gebrauch gegeben, das heißt geliehen wird; und er haftet mit der Klage aus Leihe. Aber er unterscheidet sich deutlich von demjenigen, der ein Darlehen empfängt. Denn die Sache wird ihm nicht so gegeben, dass sie sein Eigentum wird; und daher haftet er auf Rückgabe der Sache selbst. Und es bleibt, wer ein Darlehen empfängt, zwar weiterhin verpflichtet, wenn er durch irgendein zufälliges Ereignis das, was er empfangen hat, verliert, zum Beispiel durch Brand, Einsturz, Schiffbruch oder durch einen Überfall von Räubern oder Feinden. Dagegen muß, wer etwas zum Gebrauch empfangen hat, hinsichtlich der Obhut über die Sache zwar durchaus für volle Sorgfalt einstehen, und es genügt nicht, dass er die Sorgfalt angewendet hat, die er gegenüber seinen eigenen Sachen anzuwenden pflegt, solange nur irgendein anderer diese Sache sorgfältiger hätte behüten können. Aber er haftet nicht wegen höherer Gewalt oder höheren Zufalls, vorausgesetzt, dass dieser Zufall nicht durch sein Verschulden eintritt. Andernfalls, wenn es dir einfallen sollte, das, was dir geliehen worden ist, mit auf Reisen zu nehmen, und du es bei einem Überfall von Feinden oder Räubern oder bei einem Schiffbruch verlierst, ist es nicht zweifelhaft, dass du auf Rückgabe dieser Sache haftest. Als geliehen im eigentlichen Sinne betrachtet man eine Sache aber nur dann, wenn sie dir ohne Entgegennahme oder Festsetzung eines Entgelts zum Gebrauch gegeben worden ist. Andernfalls, wenn ein Entgelt hinzukommt, ist dir der Gebrauch der Sache offenbar vermietet; denn die Leihe muß unentgeltlich sein.
3. Außerdem wird auch derjenige durch Sachhingabe verpflichtet, bei dem eine Sache hinterlegt wird; und auch er haftet mit der Hinterlegungsklage auf Rückgabe der Sache, die er empfangen hat. Aber er haftet [auf Schadensersatz] nur dann, wenn er vorsätzlich etwas getan hat; für Fahrlässigkeit, das heißt bei Unachtsamkeit oder Nachlässigkeit, haftet er nicht. Daher ist vor Ansprüchen sicher, wer eine Sache, die er nicht sorgfältig genug bewacht hat, durch Diebstahl verliert, weil derjenige, der einem nachlässigen Freund eine Sache in Obhut gibt, den Verlust seinem eigenen Leichtsinn zuschreiben muß.

 



Anlage Nr. 2

Inst. 3.22

Zweiundzwanzigster Titel
Über die Schuldverhältnisse durch Konsens

Consensu fiunt obligationes in emptionibus venditionibus, locationibus conductionibus, societatibus, mandatis.
1. Ideo autem istis modis consensu dicitur obligatio contrahi, quia neque scriptura neque praesentia omnimodo opus est, ac ne dari quicquam necesse est, ut substantiam capiat obligatio, sed sufficit eos qui negotium gerunt consentire.
2. Unde inter absentes quoque talia negotia contrahuntur, veluti per epistulam aut per nuntium.
3. Item in his contractibus alter alteri obligatur in id, quod alterum alteri ex bono et aequo praestare oportet, cum alioquin in verborum obligationibus alius stipuletur, alius promittat.
 

Durch Konsens kommen Schuldverhältnisse zustande beim Kauf, bei Miete, Pacht, Dienst und Werkvertrag, bei der Gesellschaft und beim Auftrag.
1. Deswegen aber sagt man, dass bei diesen Vertragstypen ein Schuldverhältnis durch Konsens zustandekommt, weil weder Schriftakt noch Anwesenheit in irgendeiner Weise notwendig sind, und auch nichts hingegeben werden muß, damit das Schuldverhältnis ins Leben tritt, sondern weil es vielmehr genügt, dass diejenigen, die das Rechtsgeschäft abschließen, sich einigen.
2. Daher kommen solche Rechtsgeschäfte auch unter Abwesenden zustande, zum Beispiel durch Brief oder durch Boten.
3. Ferner werden in diesen Verträgen die Parteien wechselseitig auf das verpflichtet, was einer dem anderen nach Recht und Billigkeit leisten muß, während demgegenüber bei Schuldverhältnissen durch Worte der eine sich versprechen läßt, der andere verspricht.



Anlage Nr. 3

Inst. 4.3

Dritter Titel
Über die lex Aquilia

Damni iniuriae actio constituitur per legem Aquiliam. cuius primo capite cautum est, ut si quis hominem alienum alienamve quadrupedem quae pecudum numero sit iniuria occiderit, quanti ea res in eo anno plurimi fuit, tantum domino dare damnetur.
1. Quod autem non praecise de quadrupede, sed de ea tantum quae pecudum numero est cavetur, eo pertinet, ut neque de feris bestiis neque de canibus cautum esse intellegamus, sed de his tantum, quae proprie pasci dicuntur, quales sunt equi muli asini boves oves caprae. de suibus quoque idem placuit: nam et sues pecorum appellatione continentur, quia et hi gregatim pascuntur- sic denique et Homerus in Odyssea ait, sicut Aelius Marcianus in suis institutionibus refert:
2. Iniuria autem occidere intellegitur, qui nullo iure occidit. itaque qui latronem occidit~ non tenetur, utique si aliter periculum effugere non potest.
3. Ac ne is quidem hac lege tenetur, qui casu occidit, si modo culpa eius nulla invenitur: nam alioquin non minus ex dolo quam ex culpa quisque hac lege tenetur.
4. Itaque si quis, dum iaculis ludit vel exercitatur, transeuntem servum tuum traiecerit, distinguitur. nam si id a milite quidem in campo eoque, ubi solitum est exercitari, admissum est, nulla culpa eius intellegitur: si alius tale quid admisit, culpae reus est. idem iuris est de milite, si is in alio loco, quam qui exercitandis militibus destinatus est, id admisit.
5. Item si putator ex arbore deiecto ramo servum tuum transeuntem occiderit, si prope viam publicam aut vicinalem id factum est neque praeclamavit, ut casus evitari possit, culpac reus est: si praeclamavit neque ille curavit cavere, extra culpam est putator. aeque extra culpam esse intellegitur, si seorsum a via forte vel in medio fundo caedebat, licet non praeclamavit, quia eo loco nulli extraneo ius fuerat versandi.
6. Praeterea, si medicus, qui servum tuum secuit, dereliquerit curationem atque ob id mortuus fuerit servus, culpae reus est.
7. Imperitia quoque culpae adnumeratur, veluti si medicus ideo servum tuum occiderit, quod eum male secuerit aut perperam ei medicamentum dederit.
8. Impetu quoque mularum, quas mulio propter imperitiam retinere non potuerit, si servus tuus oppressus fuerit, culpae reus est mulio. sed et si propter infirmitatem retinere eas non potuerit, cum alius firmior retinere potuisset, aeque culpae tenetur. eadem placuerunt de eo quoque, qui, cum equo veheretur, impetum eius aut propter infirmitatem aut propter imperitiam suam retinere non potuerit.
9. His autern verbis legis „quanti id in eo anno plurimi fuerit“ illa sententia exprimitur, ut si quis hominem tuum, qui hodie claudus aut luscus aut mancus erit, occiderit, qui in eo anno integer aut pretiosus fuerit, non tanti teneatur, quanti is hodie erit, sed quanti in eo anno plurimi fuerit. qua ratione creditum est poenalem esse huius legis actionem, quia non solum tanti quisque obligatur, quantum damni dederit, sed aliquando longe pluris: ideoque constat in heredem eam actionem non transire, quae transitura fuisset, si ultra damnum numquam lis aestimaretur.
10. Illud non ex verbis legis, sed ex interpretatione placuit non solum perempti corporis aestimationem habendam esse secundum ea quae diximus, sed eo amplius quidquid praeterea perempto eo corpore damni vobis adlatum fuerit, veluti si servum tuum heredem ab aliquo institutum ante quis occiderit, quam is iussu tuo adiret: nam hereditatis quoque amissae rationem esse habendam constat. item si ex pari mularum unam vel ex quadriga equorum unum occiderit, vel ex comoedis unus servus fuerit occisus: non solum occisi fit aestimatio, sed eo amplius id quoque computatur, quanto depretiati sunt qui supersunt.
11. Liberum est autem ei, cuius servus fuerit occisus, et privato iudicio legis Aquiliae damnum persequi et capitalis criminis eum reum facere.
12. Caput secundum legis Aquiliae in usu non est,
13. Capite tertio de omni cetero damno cavetur. itaque si quis servum vel eam qua-drupedem quae pecudum numero est vulneraverit, sive eam quadrupedem quae pecudum numero non est, veluti canem aut feram bestiam, vulneraverit aut occiderit, hoc capite actio constituitur. in ceteris quoque omnibus animalibus, item in omnibus rebus quae anima carent damnum iniuria datum hac parte vindicatur. si quid enim ustum aut ruptum aut fractum fuerit, actio ex hoc capite constituitur* quamquam poterit sola rupti appellatio in omnes istas causas sufficere: ruptum enim intellegitur,
quod quoquo modo corruptum est. unde non solum usta aut fracta, sed etiam scissa et collisa et effusa et quoquo modo perempta atque deteriora facta hoc verbo continentur: denique responsum est, si quis in alienum vinum aut oleum id immiserit, quo naturalis bonitas vini vel olei corrumperetur, ex hac parte legis eum teneri.
14. Illud palam est, sicut ex primo capite ita demum quisque tenetur, si dolo aut culpa eius homo aut quadrupes occisus occisave fuerit, ita ex hoc capite ex dolo aut culpa de cetero damno quemque teneri. hoc tamen capite non quanti in eo anno, sed quanti in diebus triginta proximis res fuerit, obligatur is qui damnum dederit.
15. Ac ne plurimi quidem verbum adicitur. sed Sabino recte placuit perinde habendam aestimationem, ac si etiam hac parte plurimi verbum adiectum fuisset: nam plebem Romanam, quae Aquilio tribuno rogante hanc legem tulit, contentam fuisse, quod prima parte eo verbo usa est.
16. Ceterum placuit ita demum ex hac lege actionem esse, si quis praecipue corpore suo damnum dederit. ideoque in eum, qui alio modo damnum dederit, utiles actiones dari solent: veluti si quis hominem alienum aut pecus ita incluserit, ut fame necaretur, aut iumentum tam vehementer egerit, ut rumperetur, aut pecus in tantum exagitaverit, ut praecipitaretur, aut si quis alieno servo persuaserit, ut in arborem ascenderet vel in puteum descenderet, et is ascendendo vel descendendo aut mortuus fuerit aut aliqua parte corporis laesus erit, utilis in eum actio datur. sed si quis alienum servum
de ponte aut ripa in flumen deiecerit et is suffocatus fuerit, eo quod proiecerit corpore suo damnum dedisse non difficiliter intellegi poterit ideoque ipsa lege Aquilia tenetur. sed si non corpore damnum fuerit datum neque corpus laesum fuerit, sed alio modo damnum alicui contigit, cum non sufficit neque directa neque utilis Aquilia, placuit eum qui obnoxius fuerit in factum actione teneri: veluti si quis misericordia ductus alienum servum compeditum sol-verit, ut fugeret.
 

Die Klage wegen widerrechtlichen Schaden beruht auf der lex Aquilia. In ihrem ersten Kapitel wird bestimmt, dass derjenige, der einer fremden Sklaven oder ein fremdes vierfüßiges Tier, das zum Herdenvieh zählt, widerrechtlich tötet, verurteilt wird, dem Eigentümer so viel zu zahlen, wie die Sache in diesem Jahr maximal wert gewesen ist.
1. Dass aber nicht für das vierfüßige Tier schlechthin, sondern nur für das zum Herdenvieh zählende Tier eine Regelung getroffen wird, soll uns erkennen lassen, dass weder für wilde Tiere noch für Hunde eine Regelung getroffen wurde, sondern nur für die Tiere, von denen man im eigentlichen Sinn sagt, dass sie weiden, wie Pferde, Maultiere, Esel, Rinder, Schafe und Ziegen. Auch für die Schweine ist das anerkannt worden. Denn die Schweine werden ebenfalls von der Bezeichnung Herdenvieh erfaßt, weil auch sie in Herden weiden. So sagt, wie Aelius Marcianus in seinen Institutionen berichtet, denn auch Homer in der Odyssee2 'Du wirst ihn bei den Schweinen sitzen finden; diese weiden am Rabenstein, an der Quelle Arethusa.'
2. Widerrechtlich tötet, wie man annimmt, wer ohne jedes Recht tötet. Deshalb haftet nicht, wer einen Räuber tötet, jedenfalls dann nicht, wenn er der Gefahr anders nicht entgehen kann.
3. Und es haftet nach diesem Gesetz auch nicht, wer zufällig tötet, vorausgesetzt nur, dass sich bei ihm keinerlei Verschulden findet. Im übrigen haftet man nach diesem Gesetz für Vorsatz ebenso wie für Fahrlässigkeit.
4. Deshalb wird, wenn jemand, der mit Wurfspießen spielt oder übt, deinen gerade vorbeigehenden Sklaven durchbohrt unterschieden: Hat das nämlich ein Soldat auf dem Exerzierplatz getan oder dort, wo gewöhnlich geübt wird, so wird bei ihm kein Verschulden angenommen. Hat ein anderer so etwas getan, dann ist er wegen Verschuldens verantwortlich. Dasselbe gilt für den Soldaten, der dies an einem anderen als an dem für die Ausbildung von Soldaten bestimmten Ort begangen hat.
5. Ebenso ist wegen Verschuldens verantwortlich, wer beim Baumausschneiden durch einen vom Baum herabgeworfenen Ast einen vorübergehenden Sklaven tötet, sofern sich das an einem öffentlichen Weg oder an einem Feldweg ereignet und er nicht vorher so  laut gerufen hat, dass der Unglücksfall hätte vermieden werden können. Hat er aber vorher laut gerufen und hat der Sklave sich nicht die Mühe gemacht aufzupassen, so ist der, der den Baum ausschneidet, von Verschulden frei. Gleichermaßen ist von Verschulden frei, wer etwa abseits vom Weg oder mitten auf einem Grundstück dabei war, Bäume zu fällen, auch wenn er vorher nicht durch lautes Rufen gewarnt hat, weil kein Fremder das Recht hatte, sich an diesem Ort aufzuhalten.
6. Außerdem ist ein Arzt, der deinen Sklaven operiert hat, wegen Verschuldens verantwortlich, wenn er die weitere Behandlung unterläßt und der Sklave deswegen stirbt.
7. Auch Unerfahrenheit wird zum Verschulden gerechnet, wie zum Beispiel, wenn ein Arzt deinen Sklaven dadurch tötet, dass er ihn schlecht operiert oder ihm ein Medikament falsch verabreicht.
8. Auch wenn dein Sklave von durchgehenden Maultieren, die der Maultiertreiber wegen seiner Unerfahrenheit nicht hat halten können, überrannt worden ist, so ist der Maultiertreiber wegen Verschuldens verantwortlich. Aber auch wenn er die Tiere infolge körperlicher Schwäche nicht hat halten können, haftet er gleichermaßen wegen Verschuldens, falls ein kräftigerer anderer sie hätte halten können. Dasselbe hat man auch für den Reiter anerkannt, der infolge körperlicher Schwäche oder aus Unerfahrenheit sein durchgehendes Pferd nicht hat zügeln können.
9. Die Worte des Gesetzes ‘wieviel die Sache in diesem Jahr maximal wert gewesen ist’ bringen den Willen zum Ausdruck, dass jemand, der deinen Sklaven getötet hat, welcher zur Zeit der Tat lahm oder einäugig oder verkrüppelt war, aber in diesem Jahr unversehrt oder sonst wertvoll gewesen ist, nicht auf so viel haften soll, wie der Sklave zur Zeit der Tat wert war, sondern auf so viel, wie er in diesem Jahr maximal wert gewesen ist. Wegen dieser Regelung ist die Klage aus diesem Gesetz allgemeiner Überzeugung nach eine Strafklage, weil man nicht auf so viel verpflichtet wird, wie man an Schaden angerichtet hat, sondern zuweilen auf viel mehr. Und daher steht fest, dass diese Klage nicht auf den Erben des Täters übergeht; sie wäre eine Klage die übergeht, wenn der Streitwert niemals über den Schaden hinaus bemessen würde.
10. Nicht nach dem Gesetzeswortlaut, sondern aufgrund von Auslegung ist anerkannt, dass nicht nur, wie wir gesagt haben, der getötete Sklave als solcher in Geld geschätzt werden muß, sondern darüber hinaus das, was euch durch den Tod des Sklaven außerdem an Schaden zugefügt wird, wie zum Beispiel, wenn jemand deinen Sklaven, der von einem anderen zum Erben eingesetzt worden war, getötet hat, bevor er auf dein Geheiß die Erbschaft antreten konnte. Denn es steht fest, dass die verlorene Erbschaft mit berücksichtigt werden muß. Ebenso verhält es sich, wenn jemand von einem Maultierpaar das eine Tier oder von einem Viergespann ein Pferd tötet oder wenn aus einer Schauspielertruppe ein Sklave getötet wird. Die Schätzung erstreckt sich nicht nur auf das getötete Tier oder den getöteten Sklaven, sondern es wird darüber hinaus auch berechnet, wieviel die Übriggebliebenen an Wert verloren haben.
11. Demjenigen, dessen Sklave getötet wurde, steht es aber frei sowohl im Zivilprozeß gemäß der lex Aquilia seinen Schaden geltend zu machen, als auch den Täter wegen Kapitalverbrechens anzuklagen.
12. Das zweite Kapitel der lex Aquilia ist außer Gebrauch.
13. Das dritte Kapitel regelt jeden sonstigen Schaden. Wenn also jemand einen Sklaven oder ein vierfüßiges Tier, das zum Herdenvieh zählt, verletzt oder ein vierfüßiges Tier, das nicht zum Herdenvieh zählt, wie zum Beispiel einen Hund oder ein wildes Tier, verletzt oder tötet, wird nach diesem Kapitel eine Klage gegeben. Auch der an allen übrigen Tieren sowie an allen leblosen Sachen widerrechtlich angerichtete Schaden wird nach diesem Abschnitt des Gesetzes geltend gemacht. Wenn nämlich etwas verbrannt, beschädigt oder zerbrochen wurde, ist eine Klage aufgrund dieses Kapitels gegeben. Allerdings könnte in all diesen Fällen schon der Begriff ‘beschädigt’ [ruptum] genügen. Unter 'beschädigt' versteht man nämlich, was auf irgendeine Weise verschlechtert worden ist. Deshalb fällt unter dieses Wort nicht nur, was verbrannt oder zerbrochen, sondern auch, was zerrissen, zerschlagen, ausgegossen oder auf irgendeine andere Weise zerstört oder beeinträchtigt worden ist. Zum Beispiel wurde entschieden, dass nach diesem Abschnitt des Gesetzes haftet, wer in fremden Wein oder in fremdes Öl etwas gießt, wodurch die ursprüngliche Qualität des Weins oder des Öls verschlechtert wird.
14. Folgendes ist klar: So wie nach dem ersten Kapitel jemand nur haftet, wenn er den Sklaven oder das vierfüßige Tier vorsätzlich oder fahrlässig getötet hat, so haftet man auch nach diesem Kapitel wegen eines sonstigen Schadens nur bei Vorsatz oder Fahrlässigkeit. Jedoch wird nach diesem Kapitel der Schädiger nicht zum Ersatz dessen verpflichtet, was die Sache in diesem Jahr, sondern was sie in den voraufgehenden dreißig Tagen wert gewesen ist.
15. Und das Wort ‘maximal’ ist zwar nicht aufgenommen worden. Aber Sabinus hat mit Recht gemeint, die Schadensschätzung müsse so vorgenommen werden, als wäre auch in diesen Teil des Gesetzes das Wort 'maximal' aufgenommen worden; denn die römische Plebs, die auf Antrag des Tribunen Aquilius dieses Gesetz beschloß, habe sich damit begnügt, das Wort im ersten Abschnitt zu verwenden.
16. Im übrigen hat sich die Meinung durchgesetzt, dass nach diesem Gesetz eine Klage nur gegeben ist, wenn jemand den Schaden vornehmlich durch körperliche Einwirkung zugefügt hat. Deshalb pflegt man gegen den, der den Schaden auf andere Weise zugefügt hat, analoge Klagen zu gewähren. Zum Beispiel wird gegen den eine analoge Klage gewährt, der einen fremden Sklaven oder fremdes Vieh einsperrt, so dass sie verhungern, oder ein Zugtier so heftig antreibt, dass es Schaden nimmt, oder Herdenvieh derart wild macht, dass es irgendwo abstürzt, oder einen fremden Sklaven überredet auf einen Baum zu klettern oder in einen Brunnen zu steigen, wenn der Sklave beim Hinaufklettern oder Hinabsteigen entweder zu Tode kommt oder sich an irgendeinem Körperteil verletzt. Wenn aber jemand einen fremden Sklaven von einer Brücke oder vom Ufer in den Fluß stößt und wenn dieser ertrinkt, so kann man unschwer erkennen, dass er, indem er stieß, den Schaden durch körperliche Einwirkung verursacht hat und deswegen unmittelbar aufgrund der lex Aquilia haftet. Wenn jedoch der Schaden nicht durch körperliche Einwirkung zugefügt wird und auch kein Körperschaden vorliegt, sondern jemandem auf andere Weise ein Schaden entstanden ist, so haftet der Schuldige, weil weder die unmittelbare noch eine analoge aquilische Klage in Betracht kommt, nach allgemeiner Meinung mit einer auf den Sachverhalt zugeschnittenen Klage; wie zum Beispiel, wenn jemand aus Mitleid einem fremden Sklaven die Fesseln löst, damit er fliehen kann.

 



Anlage Nr. 4

D. 9, 2, 39.

Pomponius im siebzehnten Buch zu Quintus Mucius

Quintus Mucius scribit: equa curn in alieno pasceretur, in cogendo quod praegnas erat eiecit: quaerebatur, dominus eius possetne cum eo qui coegisset lege Aquilia agere, quia equam in iciendo (in abigendo Mommsen) ruperat. si percussisset aut consulto vehementius egisset., visum est agere posse.
§ 1 Pomponius. Quamvis alienum pecus in agro suo quis deprehendit, sic illud expellere debet, quomodo si suum deprehendisset, quoniam si quid (si quod Mommsen) ex ea re damnum cepit, habet proprias actiones. itaque qui pecus alienum in agro suo deprehenderit, non iure id includit, nec agere illud aliter debet quam ut supra diximus quasi suum: sed vel abigere debet sine damno vel admonere dominum, ut suum recipiat.
 

Quintus Mucius schreibt: Als eine Stute auf fremden Grund weidete, hat sie beim Vertreiben, weil sie trächtig war, verworfen: es wurde gefragt, ob ihr Eigentümer gegen denjenigen, der getrieben hatte, gemäß der lex Aquilla klagen könne, weil er die Stute beim Treiben verdorben habe. Wenn er sie geschlagen oder absichtlich allzu heftig getrieben habe, dann ist anerkannt, dass geklagt werden könne.
§ 1. Pomponius. Obwohl er ein fremdes Stück Vieh auf seinem Feld betroffen hat, darf er es doch nicht anders heraustreiben, als wenn er ein eigenes dort betroffen hätte, da er ja, wenn er aus diesem Vorfall einen Schaden erlitten hat, dafür besondere Klagansprüche hat. Wer daher ein fremdes Stück Vieh auf seinem Feld betrifft, handelt nicht rechtmäßig, wenn er es in seinen Stall einsperrt, und er darf es nicht anders vertreiben als wäre es, wie wir oben gesagt haben, sein eigenes; vielmehr muß er es entweder ohne Schädigung vertrieben oder den Eigentümer auffordern, dass er sein Eigentum an sich nimmt.

 



Anlage Nr. 5

D. 9, 2, 31.

Paulus, Sabinuskommentar Buch 10, Titel: Über das aquilische Gesetz

Si putator ex arbore ramum cum  deiceret hominem praetereuntem occidit, ita tenetur, si is in publicum decidat nec ille proclamavit, ut casus eius evitari possit. Sed Mucius etiam dixit, si in privato idem accidisset, posse de culpa agi. Culpam autem esse, quod cum a diligente provideri poterit non esset provisum, aut tum denuntiatum esset cum periculum evitari non possit, Secundum quam rationem non multum refert, per publicum an per privatum iter fieret, cum.plerumque per privata loca vulgo iter flat. Quod si nullum iter erit, dolum dumtaxat praestare debet: ne immittat in eum, quem viderit transeuntem, Nam culpa ab eo exigenda non est, cum divinare non potuerit, an per eum locum aliquis transiturus sit.
 

Wenn ein Baumbeschneider vom Baum aus, indem er einen Ast hinunterwirft, einen drunten vorübergehenden Sklaven erschlägt, haftet er, sofern er auf ein öffentliches Grundstück niederfällt und jener keinen Warnruf abgegeben hat, durch den der Unfall hätte vermieden werden können. Mucius sagt jedoch, auch, wenn dasselbe auf einem privaten Grundstück passiert wäre, könne wegen Verschuldens geklagt werden. Verschulden aber sei, was, da es von einem Sorgfältigen hätte vorhergesehen werden können, nicht vorhergesehen worden ist; oder erst dann angekündigt worden sei, da die Gefahr nicht mehr vermieden werden konnte. Danach macht es keinen großen Unterschied, ob ein Weg durch öffentliches oder durch privates Gebiet führt, da sehr oft Pfade auch durch Privatgelände hindurch führen. Wenn aber keinerlei Weg da ist, muß er nur Vorsatz vertreten: dass er nicht auf jemanden wirft, den er hindurchgehen sieht. Denn Sorgfalt ist von ihm nicht zu fordern, da er nicht hellsehen konnte, ob jemand durch dieses Gelände hindurchgehen würde.

 



Anlage Nr. 6

Inst. 3.27

Siebenundzwanzigster Titel
Über die Schuldverhältnisse aus Quasivertrag

Post genera contractuum enumerata dispiciamus etiam de his obligationibus, quae non proprie quidem ex contractu nasci intelleguntur, sed tamen, quia non ex maleficio substantiam capiunt, quasi ex contractu nasci videntur.
 1.Igitur cum quis absentis negotia gesserit, ultro citroque inter eos nascuntur actiones, quae appellantur negotiorum gestorum: sed domino quidem rei gestae adversus eum qui gessit directa competit actio, negotiorum autem gestori contraria. quas ex nullo contractu proprie nasci manifestum est: quippe ita nascuntur istae actiones, si sine mandato quisque alienis negotiis gerendis se optulerit:ex qua causa ii quorum negotia gesta fuerint etiam ignorantes obligantur. idque utilitatis causa receptum est, kne absentium, qui subita festinatione coati nulli demandata negotiorum suo rum administratione peregre.profecti es-sent,. deserentur negotia: quae sane nemo curaturus esset, si de eo quod quis impendisset nullam habiturus esset actionem. sicut autem is qui utiliter gesserit negotia habet obligatum
dominum negotiorum, ita et contra iste quoque tenetur, ut.administrationis rationem reddat. quo casu ad exactissimam quisque diligentiam compellitur reddere rationem: nec sufficit talem diligentiam adhibere, qualem suis rebus adhibere soleret, si modo alius diligentior commodius administraturus esset negotia.
 

Nach Aufzählung der Vertragsarten wollen wir nun noch diejenigen Schuldverhältnisse betrachten, die ersichtlich zwar nicht eigentlich aus Vertrag entstehen, aber dennoch, weil sie ihre Existenz auch nicht aus Delikt ableiten, gleichsam, quasi, aus Vertrag zu entstehen scheinen.
1. Wenn daher jemand die Geschäfte eines Abwesenden führt, dann entstehen zwischen ihnen auf beiden Seiten Klagen, die Geschäftsführungsklagen genannt werden. Dem Geschäftsherrn steht aber gegen den, der das Geschäft geführt hat, die Hauptklage zu, dem Geschäftsführer jedoch die Gegenklage. Dass diese Klagen nicht eigentlich aus Vertrag entstehen, liegt auf der Hand. Denn sie entstehen ja gerade dann, wenn, jemand sich ohne Auftrag zur Führung fremder Geschäfte bereit findet.  Daher werden die, deren Geschäfte geführt worden sind, auch ohne ihr Wissen verpflichtet. Und das ist aus Zweckmäßigkeitsgründen anerkannt worden, damit nicht die Geschäfte von Abwesenden vernachlässigt werden, die, ohne jemandem die Verwaltung ihrer Geschäfte übertragen zu können, plötzlich und eilig nach auswärts aufbrechen mußten; denn gewiß würde sich niemand um die Geschäfte kümmern, wenn er wegen der Aufwendungen, die er gemacht hat, keine Klage hätte. So aber wie derjenige, der die Geschäfte zweckmäßig geführt hat, den Geschäftsherrn verpflichtet, so haftet auch umgekehrt der Geschäftsführer darauf, dass er über die Verwaltung Rechenschaft gibt. Er ist in diesem Fall gezwungen, Rechenschaft darüber zu geben, dass er die höchstmögliche Sorgfalt angewendet hat. Und es genügt nicht, eine solche Sorgfalt angewendet zu haben, wie man sie in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt, wenn nur ein anderer, der sorgfältiger ist, die Geschäfte sachgemäßer verwaltet hätte.

 



Anlage Nr. 7

D. 3, 5, 48.

Afrikan im 8. Buch seiner „Quaestiones“

Africanus libro octavo quaestionum: Si rem, quam servus venditus subripuisset a me venditore, emptor vendiderit eaque in rerum natura esse desierit, de pretio negotiorum gestorum actio mihi danda sit, ut dari deberet, si negotium, quod tuum esse. existimares, cum esset meum, gessisses: sicut ex contrario in me tibi daretur, si, cum. hereditatem quae ad me pertinet tuam putares, res tuas proprias legatas² solvisses, quandoque de³ ea solutione liberarer.
 

Hat eine Sache, die ein verkaufter Sklave mir, dem Verkäufer, entwendet hatte, der Käufer verkauft, und existiert diese Sache nicht mehr, so sei mir wegen des Preises die Geschäftsführungsklage zu geben, wie sie mir gegeben werden müßte, wenn du ein Geschäft, das du für das deinige hieltest, während es meines war, geführt hättest. Ebenso wie sie umgekehrt dir gegen mich gegeben würde, wenn du, eine mir zustehende Erbschaft für die deinige haltend, deine eigenen vermachten Sachen geleistet hättest, weil ich von dieser Leistung befreit würde.

 

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Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht  - Prof. Dr. F. Ranieri - Letzte Bearbeitung: 11.03.2010