Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht
Prof. Dr. F. Ranieri

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Repetitorium Zivilrecht

„Die nicht bestellten Briefmarken“

Der Briefmarkenhändler V handelt auf dem Gebiet des Versandhandels mit Münzen und Briefmarken für Sammler. Anfang März 2004 schickte er dem K, der hin und wieder preiswerte Briefmarkenserien aus dem 19. Jahrhundert beim V für seine Sammlung gekauft hatte, mit einer Postsendung eine Serie von drei bayrischen Briefmarken aus dem Jahre 1872. Dabei lag folgendes Anschreiben:

„Wir übersenden Ihnen diese hervorragende Serie zur Vervollständigung Ihrer Sammlung. Michelwert 89,- Euro. Für Sie als Kundenpreis 70,- Euro. ... Sie erhalten die Sendung 14 Tage zur Ansicht. Sollten Sie die Briefmarken nach Ablauf der 14 Tage nicht zurückgeschickt haben, gehen wir von der Annahme unseres günstigen Angebotes aus.“

Als die Sendung des V beim K eintraf, war dieser nicht zu Hause. Seine Frau, welche sich gerade unmittelbar vor der Abfahrt zu einer Urlaubsreise mit einigen Freundinnen befand, öffnete in Eile das Paket und legte die Klarsichtmappe mit den Briefmarken nebst Rechnung auf den Schreibtisch. Am Abend bei seiner Rückkehr freute sich K über die Briefmarken. Er wusste von der Urlaubsreise seiner Frau und glaubte, sie hätte ihm auf dem Schreibtisch ein Geschenk als kleine Überraschung vorbereitet. Zerstreut übersah er dabei die Rechnung. Gleich am Abend kontrollierte er in seinen Michelkatalogunterlagen, ob er solche Briefmarken in seiner Sammlung bereits besaß und ordnete dann die Briefmarken in sein Sammelalbum ein. Einige Tage später stellte V bei der Lektüre einer philatelischen Zeitschrift überrascht fest, dass es sich bei den an K gesandten Briefmarken nicht um die normale im Michelkatalog verzeichnete Serie handelte, sondern zweifelsfrei um einen äußerst seltenen Fehldruck, welcher im Michelkatalog nicht verzeichnet wird und der mindestens 500,- Euro wert ist. Am gleichen Abend schickte er einen Eilbrief an K. Darin teilt er ihm mit:

„Zu unserem größten Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass unsere letzte Angebotssendung nicht Briefmarken der normalen Katalogserie enthielt, wie es für unsere Kundenaktion geplant war. Da es sich um einen Fehldruck im Wert von 500,- Euro handelt, bitten wir um sofortige Rückgabe der Ihnen zugesandten Ware.“

Als K zu seiner Verblüffung diesen Brief liest, entscheidet er sich, nachdem er selbst seine eigenen philatelischen Dokumentationswerke kontrolliert hat, die Briefmarken doch zu kaufen, um sie weiterhin in seiner Sammlung haben zu können. Er schreibt daher dem V zurück, dass er einverstanden ist, die Briefmarken für 500,- Euro zu erwerben. V, der inzwischen einen amerikanischen Sammler gefunden hat, der bereit ist, für den seltenen Fehldruck 1000,- Euro zu zahlen, besteht jedoch auf Rückgabe der Sendung.

 

Hat er Recht?

 

Lösungsskizze

Quelle:

Übungen im Bürgerlichen Recht für Anfänger, Sommersemester 1992, 1. Ferienhausarbeit

 

Literatur:

bulletgrundlegende Literatur zum Themengebiet
bulletfallbezogene Literatur und Rechtssprechung
bulletweiterführende Hinweise zum Selbststudium

 

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Forschungsstelle für Europäisches Zivilrecht  - Prof. Dr. F. Ranieri - Letzte Bearbeitung: 11.03.2010